Der Berge Seen Trail verläuft auf 350 km quer durchs Salzkammergut. Ein alpines Teilstück dahoam am Dachstein war geplant. Schneebedingt musste die Route geändert werden – neues Ziel: die Adamekhütte auf 2196m am Gosauer Gletscher… 

Ein Weitwanderweg im Salzkammergut, der durch drei österreichische Bundesländer geht und dabei 35 Seen verbindet – ja gibt’s denn das??? Exakt seit diesem Jahr! Der Berge Seen Trail führt auf 350 km durch Oberösterreich und das Salzburger Land bis in die Steiermark. In 20 oder mehr Tagen. Oder auch einfach immer wieder dann, wenn die BERGSEENSUCHT zu einzelnen Wochenend-Touren ruft. Vorbei an glasklaren Seen, durch stille Wälder, über sonnige Almwiesen auf imposante Berge – und immer inmitten des gewaltigen Salzkammergut Panoramas.

Von Gmunden am Traunsee über den Attersee nach St. Wolfgang, hinüber ins Mondsee– und Salzburger Land zum Fuschlsee, vorbei am Hintersee und quer durch die Osterhorngruppe. Über die Weiden der Postalm zurück zum Wolfgangsee und weiter nach Bad Ischl, auf die Katrin und zur Goiserer Hütte. Über Gosau dem Dachstein entgegen, vom Salzberg nach Hallstatt hinunter durchs Koppental ins steierische Ausseerland, vorbei am Ödensee, im weiten Bogen zum Grundlsee und hinauf ins Tote Gebirge. Durch die Nordabstürze zum Offensee und weiter zum Almsee, durchs Almtal zum Laudachsee und wieder nach Gmunden zurück. Ein gewaltiger Gesamthöhenunterschied von 148.850 Metern! Natürlich ohne Benutzung von Bus, Bahn, Schiff oder Seilbahn 😉

Die Strecke: von einfachen Wanderungen bis hin zu anspruchsvollen, alpinen Routen ist alles möglich und selbst wählbar. Je nach eigener körperlicher Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Bergerfahrung.

Alpine Route über den Dachstein

Grund genug, sich die alpinen Varianten dahoam, sprich im inneren Salzkammergut am Dachstein, genauer anzuschauen. Die Nr. 24 führt vom vorderen Gosausee über die Gablonzer Hütte und den Gosaukamm zur Hofpürglhütte (1705m). Dafür hätte ich auch noch eine direktere Variante gewählt – den Aufstieg vorne über den Steiglpass zur Hofpürglhütte. Dieser ist nach dem Felssturz aber noch immer offiziell gesperrt. Von dort weiter zur Adamekhütte (2196m) am Gosauer Gletscher (Nr. 25) und (Nr. 26) eine Überquerung zur Simonyhütte (2203m) auf die andere Seite des Dachsteins, knapp unterhalb des Hallstätter Gletschers. 3 Tage, 2 Nächte. Oder auch noch eine dritte Nacht auf der Simony und dann übers Wiesberghaus und das Echerntal nach Hallstatt absteigen. Schneebedingt musste ich umplanen – denn wie bereits Anfang September kam auch letzte Woche Mr. POW samt Flocken zu Besuch, was dieses Tourvorhaben unter Schnee begräbt. Der Übergang von der Hofpürglhütte zur Adamekhütte und auch weiter zur Simonyhütte: nicht begehbar.

Neuer Plan: vom vorderen Gosausee (937m) zum hinteren Gosausee (1160m) und über den Reitsteig am hohen Riedel vorbei zur Adamekhütte am Fuße des Gosauer Gletschers. 1430hm Aufstieg, 14k one way. Normale Gehzeit im Sommer: 4-5 Stunden. Machbar. Auch wenn es oben zum stapfen wird und länger dauern könnte…

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Blick vom hinteren Gosausee Richtung Gosauer Gletscher. Noch keine Spur von Sonne… in der Bildmitte erkennbar: der Reitsteig

Morgens war der Dachstein noch ganz schön zwieda – Nebel, dunkle Wolken, nur 6 Grad. Aber laut ZAMG sollte die Sonne spätestens mittags vorbeischaun und dieses Wetterfenster wollte ich nutzen. Auto am Parkplatz 1 direkt unterhalb der Dachstein Sommer-Seilbahn geparkt, die steile Treppe nach oben und linker Hand am vorderen Gosausee entlang. Am Laserer Alpin Klettersteig machen sich die ersten für den Einstieg bereit. Weiter auf der Forststrasse (Fahrverbot für Räder!), vorbei am imposanten Jagdhaus, bis zum hinteren Gosausee. Dafür darf man direkt 1 Stunde einrechnen – mit ausuferndenFotostopps auch zwei. Und die werden sicher fällig, wenn man noch nie in dieser Gegend war. Kurz vor der hinteren Holzmeisteralm befindet sich rechts auch schon der per Schild gekennzeichnete Einstieg zum Reitsteig, der übrigens noch aus der Kaiserzeit stammt. Ab hier dauert der Aufstieg 2-3 Stunden.

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Vorbei am hinteren Gosausee…

Aufstieg zur Adamekhütte (2196m)

In Serpentinen windet sich der Reitsteig gemächlich die steile, felsige Flanke nach oben. Zu viele Kehren, um sie zu zählen. Je weiter es bergauf geht, desto mehr wird vom hinteren Gosausee sichtbar. Noch weiter, dann erscheint auch der vordere Teil des Sees im Blickfeld. Latschen statt Bäumen, der Schnee liegt jetzt auch am Weg – nicht mehr nur daneben. Und noch etwas ändert sich. Die Sonne drückt langsam aber stetig aufs Gas. Endlich. Auf ca. 1550m quere ich den Kreidenbach (Gletscher Schmelzwasser), dessen Bachbett aber nur zur Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen gefüllt ist. Meist fließt das Wasser im Dachsteinkalk größtenteils unterirdisch ab. Heute durchaus nicht zu verachten und sehr wohl vorhanden! Zwei einheimische Trailrunner überholen mich. In kurzen Hosen. Deren Spaß beginnt sicher erst weiter oben, wenn die nackten Wadln im Schnee stecken.

Auf 1638m weist eine Tafel auf die bereits verfallene Grobgesteinhütte hin. Links oberhalb befinden sich – an einen großen Felsblock geschmiegt – die Überreste des ersten alpinen Bergsteigerunterstandes von 1879 auf dieser Seite des Dachsteins. Heute – auch wegen der Schneesituation – unterlasse ich das hochkraxeln. 50 Meter weiter befindet sich übrigens die EINZIGE, ständig fließende Wasser-Quelle beim Aufstieg! Heute kommen mir an den ausgewaschenen und ausgehöhlten Karrenplatten (Karstgestein) Sturzbäche entgegen. Zwischendurch verdunkelt sich der Himmel, Wind frischt auf. Nebel zieht über die schroffen Felsformationen. Ein Wahnsinns Natur-Schauspiel – besser als alles auf Netflix.

Eine geheime Felsen-Burg mit Zinnen… die Gschlößlkirche

Wer sich beim Aufstieg über die komische Felsformation wundert, die aussieht wie eine Burg mit Zinnen: das ist die Gschlößlkirche. (Anm.: zur Zeit des Geheimprotestantismus vor 1731 wurden geheime Gottesdienste in Felshöhlen wie dieser abgehalten)

Endlich komme ich zum Hohen Riedel (1809m) – das meiste ist geschafft. Hier befand sich vor 100 Jahren der Beginn des Großen Gosaugletschers – statt schroffen Fels warten Schuttmoränen und Gletscherschliffplatten. Heute nicht. Schnee, knietief. Kaum mehr Latschen, aber: man kann von hier aus das erste Mal die Adamekhütte sehen! Wenn man die gut getarnten Steine mit der Holzfassade entdeckt. Auch die Abzweigung zur Simonyhütte auf der Ostseite des Dachsteinstockes passiere ich… kein Durchkommen. Bis zu hüfttief ist hier der Schnee. Schritt für Schritt weiter. Langsam aber stetig. Zum Glück ist o´gspurt von jemanden… Weg oder Markierung ist schon längst keine mehr erkennbar.

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Wer erkennt die Adamekhütte? Tipp: Linke Bildhälfte. Dahinter versteckt sich der Hohe Dachstein (2996m) in den Wolken

Die letzten 400 Höhenmeter sind anstrengend. Das stapfen im Schnee verlangt volle Konzentration und zehrt am Akku. Die Sonne brennt, die Eiskristalle reflektieren erbarmungslos. Im Sommer befindet sich übrigens fast der komplette Aufstieg in der prallen Sonne – deswegen sollte man dann früh starten und mindestens 2 Liter Wasser dabei haben.

Ziel: der Bahnhof des Dachsteins auf 2196m

So wird die Adamekhütte auch genannt. Aber nicht, weil eine Seilbahn hoch geht, sondern weil dort alle wichtigen Wege im Gebiet des Dachsteins zusammen laufen. Ein optimaler Ausgangspunkt – normalerweise. Für mich heute das Ziel ohne Gipfel. Auf der Terrasse ein Kaffee in der immer stärker werdenden Sonne, den mächtigen Gosaukamm im Blick. Nackte Füsse, frische Luft. Allzu lange will ich allerdings nicht pausieren. 45 Minuten reichen – denn der Abstieg durch den immer nässer und somit tiefer werdenden Schnee wird bis zum Hohen Riedel nicht ohne. Und den Sonnenuntergang will ich sowieso vom See unten sehn. Die zwei Trailrunner sind mir übrigens vor der Adamekhütte wieder begegnet – sie jetzt mit langer Tight, Handschuhen und Jacke; er noch immer in der Kurzen… Respekt! Generell kann ich die Leute, die mir heute beim Auf- und Abstieg begegnet sind, an zwei Händen abzählen.

Ein feuchtes Vergnügen, der Rückweg. Die Sonne hat ganze Arbeit geleistet. Härtetest für meine Hanwags, aber da brauch ich mir dank Goretex eh keine Sorgen machen. Bis zum Knie ist die Hose allerdings nach einer halben Stunde schon durch… Die Sturzbäche am Karstgestein nehmen zu, die Wassermenge beim Kreidebach ist jetzt doppelt so viel wie am Vormittag. Und die Sonne verschwindet auch langsam wieder…

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Abstieg mit Abschied

Unten am See angekommen gibt’s erstmal noch eine Pause bzw. einen ausgiebigen Fotostopp. Dieses Platzerl ist einfach wunderbar. Und dann den langen Weg wieder zurück zum vorderen Gosausee – a kloaner Hatscher, wie wir Einheimischen sagen…

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BERGE, SEEN & die Sucht nach diesen besonderen Orten – BERGSEENSUCHT
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Zum Sonnenuntergang zurück am vorderen Gosausee

Mehr zum Berge Seen Trail, dem ersten Weitwanderweg im Salzkammergut, sowie alle Strecken und alpinen Alternativ-Routen gibt es auf TRAIL.SALZKAMMERGUT.AT!

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