Mit 2400m die höchste, freistehende Bergflanke Österreichs – oberhalb der Kapruner Stauseen thront das pyramidenförmige Grosse Wiesbachhorn, Nummer 10 Österreichs. Ein realtiv gutmütiger 3000er im Salzburger Land – eine Hochtour, die unter der Woche mehr Spass macht… 

Anfang August stand das Wiesbachhorn in Kaprun schonmal bei mir am Plan, jedoch verabschiedete sich mein Kreislauf an dem heißen Tag schon vor dem Aufstieg. Alternative war damals das Zeller Seefest – bissl unbefriedigend, klar. Aber am Berg muss nicht nur die Ausrüstung stimmen, sondern auch die eigene Konstitution. Wenn ich nicht fit bin, bleib ich unten. Deswegen hab ich mich umso mehr gefreut, als Franz (Alpine Momente, mein Partner bei der See zu See Tour am Dachstein) Anfang September mit der Touridee ankam – und meinen erneuten Plan genau zur gleichen Zeit umsetzen wollte. Denn: das Wiesbachhorn kann man zwar alleine gehen, da der Gletscher nicht unbedingt gequert werden muss – aber man könnte ja auch noch was nettes dranhängen… und den ersten 3Tausender Post-OP in Gesellschaft ist sowieso sinnvoller.

START: Parkplatz Alpenhaus Kesselfall in Kaprun, Salzburger Land. Per Bus, Schrägaufzug, Bus zum Stausee Mooserboden 2050m (Ermässigt für AV-Mitglieder 19,– gute 45 Minuten sollten eingeplant werden – ein Bergsteigerbus fährt an den Wochenenden um 6.30 durch bis oben, falls als Tagestour geplant)

ROUTE: Zum Heinrich-Schwaiger-Haus 2802m (Base) über die Mooser- & Drossensperre zum Haushoferweg. Aufstieg via Oberer Fochezkopf 3165m, Kaindlgrat, NW-Grat ODER Wielingerscharte 3300m und Südwestflanke zum Gipfel

Tour erfordert Hochtourenerfahrung sowie Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Steigeisen empfehlenswert (würde nicht ohne gehen) – Pickel optional je nach Wetter-Kondition. Schwierigkeit im Fels ab der Hütte I-II nach UIAA, bei Vereisung evtl. heikel

Der Zustieg zum Heinrich-Schwaiger Haus in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern erfolgt unschwierig in Serpentinenform, wenn auch teils drahtseilversichert… gute ca. 1,5-2 Stunden sollte man einrechnen – das Panorama auf die beiden Speicherseen: gewaltig!  Lange her, dass ich zu fünft unterwegs war – eine schöne Abwechslung! Zum Sonnenaufgang sollte es auf den Gipfel gehen… und als Seilschaft danach eventuell noch über die Bratschenköpfe zur Klockerin 3425m. Ambitioniert. Aber Pläne ändern sich eben manchmal…

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Sonnenuntergang am Heinrich-Schwaiger-Haus

Sonne Satt auf der Terrasse, ein feines 4 Gänge Menü mit Top Spagetthi Bolo – unterbrochen vom Sonnenuntergang – und diversen Kaltgetränken, die warm ums Herz machen. So soll’s sein. Und manchmal passiert’s dann eben, dass die Nacht etwas kürzer ausfällt. Geplant war der Abmarsch um spätestens 5 Uhr, erst um 0545 zog sich unsere Stirnlampen-Spur östlich Richtung Einstieg.

Durch den Kamin zum Unteren Fochezkopf

Die erste „Schlüsselstelle“ – sagt man. Ein ca. 50m hoher Kamin, mit einem Stahlseil versichert (Klettersteigschwierigkeit A/B, evtl. B) – kein Problem, auch im Schein der Stirnlampe. In leichter Blockkletterei und über Bänder (teils versichert) gehts bis kurz unter den Unteren Fochezkopf 3023m und links um diesen herum auf das Fochezkees. Von hier südöstlicher über Schutt und Blockwerk oder etwas weiter links über das zunächst flache und später aufsteilende Firnfeld zum oberen Fochezkopf 3165m. Erstmal die grandiose Morgenstimmung aufsaugen. Von dort steigt man in den Kaindlgrat ein.

Kaindlgrat zu Sonnenaufgang und Gletscherrand-Stories

Die Verhältnisse im Grat: hervorragend – der Schnee hart. Erst auf Fels, später im Schnee ging es gut voran. Die Steigeisen bleiben im Rucksack – obwohl es für mich bei manchen harten Stellen damit leichter gewesen wäre. Wir folgen dem NW-Grat nicht direkt bis zum Gipfel (schwierigere Variante), sondern queren am oberen Gletscherrand Richtung Südwestflanke und Wielingerscharte 3300m. Und genau dort waren die Verhältnisse nicht mehr gar so fein. Durch das warme Wetter war hier nichts durchgefroren, ich bin zum Teil bei jedem Schritt knietief im Schnee eingebrochen. Extrem kräftezehrend und für mein Knie der absolute Worst-Case. Anstrengend und nicht schmerzfrei. Und deswegen fiel auch hier für mich eine Entscheidung…

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In der SW-Flanke (Danke Franz für die lässigen Fotos)

Südwestflanke zum Gipfel des Grossen Wiesbachhorn 3564m

Ab dem Fuß der Flanke werden die Steigeisen angelegt, weil nicht gespurt und ca. 5-10cm Schnee auf dem brüchigen Gestein und Schotter lag. Langsamer als sonst aber problemlos über den Firngrat nach 2,5h auf den Gipfel – oben das volle Programm: Nebel, kurzer Sonnenmoment mit HALO (perfekt genutzt fürs Gipfelfoto) und genialer Wolkenstimmung. Aber zapfig kalt. Gut, wenn man eine Thermosflasche Tee und die Polartec Jacke zum einkuscheln hat. Besser wird es allerdings nicht und deswegen gings nach kurzer Pause wieder an den direkten Abstieg. Noch immer ist sonst ausser uns überhaupt keiner unterwegs.

Pläne ändern sich…

Meine Entscheidung gegen die Bratschenköpfe und die Klockerin (vor allem um die anderen nicht unnötig aufzuhalten) war klar. Ich wäre oberhalb des Gletschers zum Kaindlgrat zurück gequert. Aber: das Wetter änderte sich zu schnell und war viel zu unbeständig, als dass die Bratschenköpfe und die Klockerin überhaupt noch eine Option gewesen wäre. Deswegen ging es als kompletter 5er auch wieder auf dem selben Weg über den Kaindlgrat zum Abstieg. Richtige Entscheidung.

Fazit: eine extrem schöne, abwechslungsreiche Tour – die mich kräftetechnisch trotzdem gut gefordert hat. Aber: wenn der Abstieg vom Schwaigerhaus nach der Gipfeltour mit gut 800hm noch in 1.12h klappt, dann kann ich mehr als Stolz sein auf meine Leistung... und die Klockerin 3425m kommt mir eben beim nächsten Mal nicht aus!

PS: Timing – am Mooserboden gabs die ersten Regentropfen aus schwarzen Gewitterwolken

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Down we GO (c) Alpine Momente

Als Zuckerl gibts HIER jetzt das VIDEO vom FRANZ zur TOUR…