Der luftige Klettersteig Cat. C/D mit C Variante (Hängebrücke) wartet mit gewaltigen Tiefblicken auf den MondseeAttersee, Totes Gebirge und Schafberg. Am Gipfel des Drachenstein (1060m) sollte man sich allerdings nicht zu früh freuen, es folgt die Rache des Drachen & der Abstieg über den Feuerwehrsteig…

Endlich mal mit dem Drachen geschmust! Lange hat’s gedauert, bis Zeit und Gefühl gestimmt haben. Nach viel Muskelaufbau seit dem letzten Klettersteig-Ausflug nach Fieberbrunn (HIER NACHLESEN) stand für mein neues Kreuzband ein weiterer Belastungstest an. Und welcher Ort wäre geeigneter, als St. Lorenz am Mondsee, über dem sich die Drachenwand erhebt…

FACTS: Einstieg auf 675m, ca. eine halbe Stunde Zustieg vom GH Drachenwand (490m), an der Thekla-Kapelle vorbei, über eine Brücke und dann den Bachverlauf queren. Ziel: ein großer Steinbrocken, der Anseilplatz

Großer Parkplatz mit Topo & Info. Offiziell nicht für Kinder & Anfänger geeignet.

Länge: 560m & 400hm, Cat. C/D, Var. C. – ca. 2 Stunden. KEIN NOTAUSSTIEG!!!

Steinschlaggefahr!! Nur bei trockenen Verhältnissen begehen und bei großem und starkem Wasserfalllauf einsteigen. WER NICHT ZU 110% SCHWINDELFREI IST, braucht nicht drüber nachzudenken!

Abstieg über den Feuerwehrsteig (AV Weg Nr. 12a), schwarz markiert – teils steil, ausgesetzt und seilversichert. Stahlleitern im letzten Viertel – 1,5 Stunden! Gute Kondition ist gefragt, Trittsicherheit ein Muss!

Tipp: Nach dem GH Drachenwand ist ein Klettersteigset-Verleih möglich (oder für Vergessenes Equipment) – direkt an der Abzweigung zum Zustieg

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Der Drachenwand Klettersteig – Sehnsuchts- oder Schandplatz?

Wie beliebt der Drachenwand Klettersteig ist, sieht man jedes Wochenende – wenn sich eine Ameisenstrasse hochschiebt. Horrorstories von Massen am Berg kursieren – bekanntlich gar nichts für mich. Deswegen habe ich auch einen Donnerstag nachmittag gewählt, in der Hoffnung Glück zu haben. Hatte ich. Eine Gewitterprognose für den späten Nachmittag (mit ersten Anstieg ab 17.00 Uhr, Tendenz später – ja ich habe gut und ausreichend Zeit eingeplant, denn bei Gewitter steigt man nicht ein) bescherte mir einen komplett leeren Klettersteig (!!). Keiner war sonst unterwegs, als ich um 13.30 Uhr bei blauen Himmel und perfektem Sommerwetter (fast zu heiss) am Einstieg stand.

Und trotzdem hab ich mich in diesem Moment geärgert. Nicht über vergessene Ausrüstung, über einen nicht erschienenen KS-Partner – nein, ganz einfach über den Fakt dass es am Anseilplatz ausgschaut hat wie Sau. Tschick (Zigaretten-Stummel), Taschentücher, Müsliriegelfetzn, Bananenschalen, Gelpackerl,… – gehts noch??? A bissal was hab ich eingesammelt – aber bei aller Liebe, alles greif ich auch nicht an. Traurig sowas! Nehmts gefälligst euren Scheiss wieder mit Heim!

Über steile Leitern, Stufen und eine Gams zum Energie-Wieserl (Sektion 1-6)

Aber zurück zur Drachenwand. Früher sind sie ungesichert und später mit Hanfseilen über den Ostgrad zum Gipfel hochgekraxelt, 2008 wurde dann ein gut gesicherter Klettersteig auf dieser Route der „Erstbegeher“ errichtet. Schnell noch eine Handvoll Nüsse inhaliert, Equipment Check – Los! Der Einstieg führt über zwei Leitern schnell steil nach oben, dann wird zu einem Wasserlauf rüber gequert, der staubtrocken war. Allerdings kann im Frühjahr oder nach längeren Regenfällen hier Wasser kommen und sogar einen kleinen Wasserfall speisen. Kleine Info am Rande: natürlich sollte man immer umsichtig steigen, ohne Felsen oder Steine loszutreten. Hier aber ist unbedingt Vorsicht gefragt, da sich unterhalb ein Klettergarten befindet. Unschwierig weiter über eine Scharte und einen gestuften Grat zur ersten steileren Stufe, dem Steilen Zahn. Genau der bohrt sich schonmal nett in mein Knie. Applaus – gscheid anghaut weil nicht langsam genug. Und von alleine reagiert das Kreuzi noch nicht einwandfrei. Schlupfi wär im Rucksack dabei, aber ich will so klettern, dass ich spüre, was geht und was nicht. Und es geht heute schon viel mehr als beim letzten Mal. Da überwiegt die Freude den Schmerz. Weiter gehts, geradewegs zum Verschnaufen an einer Gams und dem Gamserl Garten vorbei (der einzige Teil, wo man sich kurz ausklinkt) zum Energie Wieserl. Name nicht ohne Grund…

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Steil luftig Bergauf – Panoramablick über Mondsee bis zum Attersee & Totem Gebirge inklusive. Zum Teil ist der Fels sehr brüchig und das Gestein lose

Über die Altweiberroas und den Götterquergang zur Franzosenscharte (Sektion 7-13)

Genug Energie getankt? Weiter gehts über erst nett und harmlos an der Altweiberroas vorbei, bevor die erste C-Stelle, die Weisse Verschneidung, wartet. Umdrehen wer Luft hat  – Panorama-Spot! Oder einfach umdrehen, tief durchatmen und Kraft sammeln. Ich steige langsam und konzentriert – und immer mehr kann ich wieder normal ansteuern statt Alternativ Tritte zu suchen. Das Hochdrücken klappt besser als erwartet. Aber es ist so heiß – der Felsen und auch das Drahtseil. An einer Stelle verbrenne ich mir zwei Finger, auch noch nie passiert.  Etwas einfacher aber noch immer luftig weiter über den mit Stahlstiften versehenen Götterquergang (anstrengend), verschnaufen kann man in der A/B Stelle des S´Nusskipferl. Und sich freuen – hätte ich keinen Helm auf, würde ich rundum grinsen.

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Und die Sonne brennt – Wasserverbrauch zu dem Zeitpunkt: 1 Liter

Perfektes Wetter, nur im Hintergrund ziehen erste dunkle Wolken auf. Noch weit weg. Danach folgt mit der Grauen Platte eine B/C Stelle, die zur Latschenquerung führt. Ein Schlüsselpunkt am Drachenwand Klettersteig. Nachdem man die Franzosenscharte genommen hat, muss man sich entscheiden – D Variante oder C Variante über die Hängebrücke. Die Hälfte ist schon geschafft! Scheinbar ein beliebter Rastplatz, denn auch hier liegt so einiges rum was nicht hierher gehört…

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Kanada? Mondsee! Blick von der Latschenquerung. Schafberg schiebt sich rechts ins Bild

Hängebrücke oder steiler weißer Pfeiler (Sektion 14-15)

Die D-Variante führt links erst ganz leicht in eine steile, plattlige Wand – die Pfeilerwand. Senkrecht nach oben, Querung in den weißen steilen Pfeiler. Genau dort trifft diese Route wieder mit der anderen zusammen.

Die C-Variante geht rechts über den Edelsteinturm leichter nach oben bis zur Seilbrücke / Hängebrücke. Ist diese gemeistert, gäbe es rechts noch die Möglichkeit, ein Panorama-Bankerl zu besetzen… Aber: da keiner dabei ist und deswegen eh kein Foto gemacht werden kann, gehts für mich direkt weiter. Keine Zeit verlieren. Steil und fast senkrecht nach oben – durchaus Kräftezehrend und fordernd, weil spätestens hier merke ich auch, nicht mehr ganz frisch zu sein. Und viel mehr mit Armkraft drin hänge und mich nach oben ziehe als mit Beinkraft. Am steilen weißen Pfeiler angekommen, gehts dann wieder leichter gestuft nach oben.

Über den Zackengrat zur Gipfelwand auf den Drachenstein 1060m  (Sektion 16-20)

Die Draufgabe dieser schönen Tour: der Zackengrat sieht tatsächlich etwas aus wie die Rückenpanzer-Stacheln eines Drachen. Hat man sie überkraxelt, gibt es an Sektion 17 (Tiefblick) genau diesen. Wahnsinnig schön. Allerdings meldet sich der Drache scheinbar – Donnergrollen in der Ferne. Das Signal für mich, schnellstens den Rest zu durchsteigen, um zum Ausstieg am Gipfel zu gelangen. Also rein in die Gipfelwand (B/C), die erst mit großen Trittabständen durchaus fordert, danach kurz einfacher wird um zum Schluss nochmals steiler auf einen Grat zu führen. Dort befindet sich auch das Steigbuch und am Gipfelgrat angekommen, endet der Drachenwand Klettersteig über dem Mondsee. Die letzten Meter geht es ungesichert bis zum Drachenstein Gipfelkreuz auf 1060m. Geschafft! Müde, verschwitzt und so happy. 2,5 Stunden (inkl Pause & Fotostopps) – völlig fein! Ein weiterer Belastungstest fürs neue Kreuzband – doch der wird heute erst noch so richtig kommen…

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Geschafft – Erfolgreich mitm Drachen am Mondsee gschmust!

Am Drachenloch vorbei zur Rache des Drachen

Das Gipfel-Glück hält nicht lange – ich exe schnell eine Dose roten Bullen (ja, die hats heute mal gebraucht), steck sie natürlich wieder ein (sowie drei Zuckerlpapierln und ein Plastiksackerl – nicht von mir) und lass die Kamera noch schnell 5 Fotos im Selbstauslöser schiessen. Klettersteigset runter, Helm verstauen – und dann nichts wie weg. Über dem Attersee und dem Schafberg geht mittlerweile ein gewaltiger Regenschauer runter, hier scheint noch immer die Sonne aber der Wind frischt auf. Kein gutes Zeichen. Immer wieder grollt es leicht, deswegen weg vom Eisen. Das Drachenloch lasse ich rechts liegen, Stöcke raus und runter. Aber nicht hetzen, weil stolpern ist hier nicht drin. Die Erde ist staubtrocken und rutschig – im Wald wird es dann zum Glück wieder besser. Am Drachenschlund angelangt geht es stetig über einen netten Steig bergab, zwischendrin lässt sich ein Teil der Route & die Hängebrücke sehen. Und zwei Klettersteig-Geher, die scheinbar noch mitten drin hängen… um halb 5. 

Der Feuerwehrsteig und seine Leitern – Abstieg auf die harte Tour

Und dann steht man da, in einem ausgewaschenen Bachbett mit viel Geröll und kennt sich kurz nicht aus. Wie – wieder ein Aufstieg? Und zwar ein knackig steiler? Schnauf und auf. Generell ist mir und meinen Knien ja bergauf immer lieber, aber heute hätt ich auch auf diese Zwischeneinlage verzichten können. Anscheinend stand hier früher ein Schild mit der Aufschrift „die Rache des Drachen“ – damit auch jedem klar ist, wo’s lang geht. Und zwar nicht abwärts im verschütteten Bachbett. Gut, nützt eh nix – auffi. Und oben angekommen, fängt der Spass erst so richtig an. Steil und zum Teil ausgesetzt führt der Feuerwehrsteig nach unten, immer wieder Holztreppen, Stufen, drahtseilversicherte Passagen. Super – nicht. Auch weil es immer noch donnert aber nix sonst passiert. Im Wald seh ich nicht, wo das Gewitter hinzieht. Extrem anstrengend kraftraubend für mich. Langsam, Schritt für Schritt… und dann erschließt sich im letzten Viertel, warum der Feuerwehrsteig so heißt: Stahlleitern (auch drahtseilversichert) führen steil nach unten. Und zwar nicht nur eine, sondern mehrere. Unten mach ich drei Kreuze – weiter durch den Wald bis zur Thekla-Kapelle und von dort wieder zum GH Drachenwand. Statt 1,5 Stunden hab ich fast 2 Stunden gebraucht – das Knie hat in den Beleidigt-Modus umgeschalten. Dafür stell ich mich direkt in den Bach am Parkplatz und wasch mir erstmal die Erde und den Staub runter – weil so braun war ich vorher garantiert nicht…

Fazit Drachenwand Klettersteig

Super schön, super luftig, super angelegt. Zum Teil wirklich vertikal nach oben. Achtung, zwischendrin gibt es immer wieder lockere Steine / Felsbrocken. Aber: der Abstieg ist für mich Oarsch… trotzdem hat sich der Besuch am Mondsee gelohnt! Ein Klettersteig, den man wirklich mal gemacht haben sollte – zählt sicher zu den schönsten Österreichs! Und danach: ab in den See!

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