Der Wächter des Traunsees wird leider oft unterschätzt, kein Berg im Salzkammergut verzeichnet mehr Opfer. Für mich führt der schönste Aufstieg auf den Traunkirchnerkogel über den Naturfreundesteig (3km lang, 1200hm – ein z.T versicherter alpiner Steig, KEINE Via Ferrata!) und von dort weiter zum Gipfel des Traunsteins 1691m…

Zum Teil steil schraubt sich der Naturfreundesteig nach oben – es müssen ganze 1200hm in nur 3km bis zum Traunkirchnerkogel überwunden werden und das Panorama beim Aufstieg entlohnt mit jedem Schritt. Umdrehen zum verschnaufen ist ein  Muss. Kaum Schatten, der Schweiss schiesst an diesem Nachmittag wasserfallsartig aus meinen Poren – 2 Liter in der Trinkblase reichen mir gerade so bei gefühlten 30 Grad… es ist Freitag nachmittag und fast keiner ausser mir und meiner Begleitung, Maggy von You are an Adventure Story, unterwegs. Der schönste Blick auf den Traunstein? Gibts von dieser Tour aus –> Grosser Sonnstein 1037m

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Kl. Sonnstein & Traunstein 1691m

Nur Europas höchster Berg, der Mont Blanc, forderte mehr Todesopfer als das gewaltige Kalksteinmassiv im Salzkammergut, dessen schroffe Felswände steil in den See abfallen (Quelle ORF III Doku, Land der Berge Folge 279)

TOURINFO:

Start: Ende der Traunsteinstrasse am Traunseeufer 437m (Parkplätze kostenlos am Rand oder am Ende der Strasse) – Forststrasse durch die beiden Tunnel (Miesweg am Wasser entlang leider noch gesperrt) – Naturfreundesteig (1929 auf der Westwand eröffnet, 2001 sicherheitsbedingt auf die S/W Seite umgelegt) – Traunkirchnerkogel – Traunsteinhaus 1580m – Gmundner Hütte 1666m – Traunstein 1691m (insgesamt 1300hm im Auf- und Abstieg)

AUSRÜSTUNG: Steinschlaghelm (gerade an Wochenenden unverzichtbar, da leider nicht alle beim Bergwandern auf Nachkommende achten). Wer ganz früh oder am späten Nachmittag aufsteigt, der sollte auch an kraxelnde Gämsen denken. Der Naturfreundesteig und auch der Hernlersteig sind KEINE Klettersteige, sondern normale alpine Steige inkl. Seilversicherungen und Stahltritten. Wer nicht schwindelfrei oder unsicher ist, dem hilft die Mitnahme eines KS-Sets sicherlich. Über meine Handschuhe war ich auch froh, alleine schon weil die Stahl-Versicherungen gut aufgeheizt waren.

TRITTSICHERHEIT, KONZENTRATION, KOMPLETTE AUSRÜSTUNG & KONDITION ABSOLUT NOTWENDIG! Es gibt KEINE Quelle oder Trinkwasser beim Aufstieg! Man bewegt sich durchwegs in I/IIer Gelände (A/B)

Info RETOURWEG: der Abstieg via Hernlersteig (steil, ausgesetzt und z.T seilversichert), würde ich meinen Knien zuliebe nicht mehr wählen… bergab nur in trockenen Zustand begehen! Vorteil: wer ihn vormittags im Aufstieg wählt, geht meist im Schatten.

Abstiegsvariante: via Südsüdostflanke über die „Kette“ (seilversichert) und den „Kaisertisch“ zur Mairalm und von dort durch das Lainautal entlang der Forststrasse zurück zum See. Dies ist übrigens der älteste und vermeintlich einfachste Weg – die oft feuchten und rutschigen Felsplatten der Kette dürfen nicht unterschätzt werden! 

Genuss-Kraxln mit Blick auf den imposanten S/W Grat des Traunsteins

Da der Miesweg entlang des Traunsees am 7. Juni noch gesperrt ist, geht es durch die beiden Tunnel zum Einstieg des Naturfreundesteig, der direkt links vor der Brücke über den Lainaubach startet. Nach kurzer Kraxelei wartet direkt das erste ausgesetzte Stück – Stahlklammern führen steil nach oben. Kurze Waldstücke, mit Seilen gesicherte Querungen – der Aufstieg ist super kurzweilig und wirklich ein Genuss. Serpentinen bringen einen relativ schnell bis zu einem markanten Felsturm, dem Sulzkogel. Hier hat man bereits 800hm auf dem Konto. Weiter in die Sulzkogelscharte – hier wartet eine 8 m hohe Metallleiter, mit deren Hilfe man eine steile, sehr ausgesetzte Felsrampe locker überwindet.

Die Schlüsselstelle hoch über dem Traunsee – spektakulär oder doch nur eine optische Foto-Täuschung?

Nach der Leiter und einer Querung folgt eine Stelle, die vielen sicher von Fotos bekannt sein dürfte. Eine steile, ausgesetzte Wand mit Stahltritten und Seilversicherung – unter einem blitzt nur der Traunsee. Was auf Fotos spektakulär aussieht, ist ehrlich gesagt nicht wirklich aufregend. Die paar Tritte sehen nur im richtigen Winkel so fotogen aus, oder? 

(Da wir komplett allein im Steig unterwegs waren, gab es auch (fast) keine Steinschlaggefahr – deswegen der Helm am Rucksack und nicht am Kopf)

Danach geht es etwas flacher weiter bis der Steig zum „Überstieg“ auf 1000m Seehöhe gelangt (alte Bezeichnung, als der Naturfreundesteig noch durch die Westwand führte). Hier hat man ca. die Hälfte des Aufstiegs geschafft – kein Grund, sich zu früh zu freuen. Oder vielleicht doch, denn hier warten überall wunderbare Panoramaspots. Einer schöner als der andere…

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Blick vom SW-Grat (970m) auf den Traunsee – li blitzt der Dachstein

Das Traunsteinhaus 1580m greifbar nahe – doch davor: Böses Eck & Felsentor

Durch den Kiefernwald kommt man hinauf zur „Hohen Rast“, weiter durch den Bergwald bis Latschenhänge auf einen Grat mit Blick zum Traunsteinhaus führen. Fast da, aber nur fast – denn nach der „Scherertafel“ verlässt man den Grat nach links und quert das breites Schuttkar. Durch Felsen erreicht das „Böse Eck“ 1380m, wo steile Felswände den Weg optisch versperren. Eine Seilversicherung leitet einen nach oben – durch das „Felsentor“ geht es auf die SO-Seite des Berges. Ein paar Minuten und leichte Felspartien später: Ausstieg direkt am Naturfreundehaus | Traunkirchnerkogel!

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Maggy im Felsentor

Sonnenuntergang am Traunkirchnerkogel mit Blick auf den Dachstein, Kaspressknedl-Suppn & Kaiserschmarren inklusive

Es ist kurz nach halb sieben – die Terrasse fast leer, der Hunger groß. Perfektes Timing. Und zugleich eine Premiere, die Nacht wird hier oben verbracht! Sonnenuntergang geniessen, Durchatmen und sich nicht danach mit Stirnlampe nachts nach unten tasten müssen – Kreuzi ist erfreut und ich auch. Die Hütte super schön, die Wirtsleute und das Team extrem freundlich, das Essen guad und die 2er Kojen im Hochlecken-Zimmer bequem. Alles in allem habe ich mich total wohlgefühlt und deswegen lass ich jetzt auch Bilder von diesem Abend sprechen…

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Salzkammergut-Liebe – DAHOAM is DAHOAM

Über die Gmundner Hütte 1666m auf den Traunstein 1691m

Morgens nach dem Frühstück mal schnell auf den Gipfel – im wahrsten Sinne des Wortes. Vom Naturfreundehaus vorbei an der Gmundner Hütte und hoch zum Kreuz. Die 100hm sind in 20 Minuten geschafft, die letzten Altschneefelder lassen sich problemlos überqueren. Das massive, 10m hohe Kreuz mit einer Spannweite von 5m wurde übrigens nicht hochgeflogen – 1950 wurde das Material dafür von 500 Männern und 80 Frauen aus Oberösterreich hochgetragen!!! 1392 Schrauben, 537 Nieten, 50m2 Platten, 15 Rahmen, 248m Winkeleisen und 500kg Zement… Gesamtgewicht des Kreuzes: 1506kg

cof
Blick auf das Naturfreundehaus (links) und die Gmundnerhütte (rechts)

Abstieg über den Hernlersteig am Fahnenkogel – lang, mühsam und fordernd

Vorneweg, nochmal würde ich nicht diesen Steig für den Abstieg wählen. Schon gar nicht, wenn ich die Tour an einem Tag gehe. Eine Variante lässt sich oben nachlesen. Zurück zum Hans Hernler Steig – steil, ausgesetzt, lang und kräftezehrend. Vor allem, wenn man fast alle versicherten Passagen über steile Felsbänder im Rückwärtsgang abspulen muss. Zwischen Gmundnerhütte und Fahnenkogel ist der Einstieg in die Rinne, die direkt steil nach unten in den Käserhofergraben führt. Die kurzen Gehstücke zwischendrin sind fast alle ausgesetzt – ausrutschen keine Option. Erst ab der Hälfte (beim Dachsteinblick) werden die Seilversicherungen weniger, dafür die Leitern gefühlt mehr – macht den Steig nicht einfacher. Ehrlich gesagt, kommt mir der Abstieg am vormittag echt endlos vor, eine echte Quälerei bei der zum Glück das Wetter auf bewölkt umgeschaltet hat… aber irgendwann wird alles gut. In der Kaltenbachwildnis wird es endlich angenehmer und flacher, das letzte Stück, bevor man zurück auf die Traunseestrasse kommt. Und dann gibt es nur eins: schnell rein in den Traunsee und abkühlen!

Fazit: die Tour auf den Traunstein ist zu Recht eine der schönsten im Salzkammergut – sollte aber auf keinen Fall unterschätzt werden – egal auf welcher der drei Routen. Es ist keine 08/15 Wanderung, sondern man bewegt sich auf alpinen Steigen, die keine Fehler verzeihen

Zum Thema Risiko, weil darüber auf meiner Facebook-Seite bei den Fotos zu dieser Tour diskutiert wurde: ja, es kann immer was passieren aber jeder ist für sich selbst verantwortlich. Dazu gehört, das Risiko so wie sich und seine Bergerfahrung richtig einschätzen zu können. Konzentriert zu sein und die nötige Demut vor dem Berg zu wahren, egal wie vermeintlich einfach der Weg ist. Und genau da hapert es leider bei vielen. Der Traunstein wird immer wieder unterschätzt und zeigt leider gnadenlos, wer der stärkere ist…)

dav