Anspruchsvolle, wunderbar alpine Tour auf den höchsten Gipfel im Wilden Kaiser – die Ellmauer Halt! Auf den Schrofenbändern des alten Gamsängersteig quert man erst die massive Südwand bevor es in leichter Kletterei und teilweise seilversichert nach oben geht – damals wie heute nicht nur von Gämsen gerne begangen…

Unverhofft kommt oft – diese Tour steht schon lange auf meiner Liste, wenn auch in etwas abgewandelter Form. Mitte Oktober bei besten Bergwetter (Oidweibasumma) hat sich’s endlich ausgegangen. Zwar nicht wie geplant via Kaisertal und den Kaiserschützensteig (lang und noch anspruchsvoller – aber Zeitfenster leider zu kurz, muss bis nächstes Jahr warten), dafür von Ellmau bzw. der Wochenbrunner Alm 1085m aus und dem Aufstieg via Gruttenhütte auf dem Normalweg…

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Schroffe Felsformationen im Wilden Kaiser Massiv. Wie immer gilt: Das Können ist des Dürfens Maß – Zitat von Alpinist Paul Preuss

TOURDETAILS

Start: Parkplatz Wochenbrunner Alm 1085m (Mautstrasse, 4 Euro) – Weg Nr 825 – Gruttenhütte 1620m – Hochgrubach Schotterkar – Einstieg Gamsängersteig (ab hier Steinschlaggefahr, HELMPFLICHT) – Rote Rinn Scharte – Jägerwandtreppe – Rinne (2 Möglichkeiten) – Babenstuber Hütte (Notbiwak) 2305m – Ellmauer Halt 2344m

Abstieg wie Aufstieg (Retour könnte man auch über den Klammlweg bis zur Gaudeamushütte 1263m und von da zurück zur Wochenbrunner Alm)

ca. 1300hm, 12k – schwarz (schwer) markierter, alpiner Steig – teilweise seilversichert inkl Stahlstiften & Stahlleitern. Hinweis: der Gamsängersteig ist KEIN extra angelegter KLETTERSTEIG – wer unsicher ist, dem hilft ein Set sicher. Allerdings gibt es einige exponierte Stellen, die frei geklettert werden müssen (I. Grad) – Absturzgelände

Auch wenn in einigen Publikationen dieser alpine Steig als leichter Klettersteig angeführt wird – offiziell ist es keiner! Ergo ist auch kein Set vorgeschrieben. Jeder muss und darf selbst entscheiden, in wie weit man sich sichert. Wer den Unterschied zwischen beiden nicht kennt – gerne HIER nachlesen! Und ja, ich habe für alle Fälle auf solchen Touren immer einen leichten Klettergurt & eine Sicherung dabei – better safe than sorry. Für mich selbst oder auch für andere.

Bei NÄSSE lieber meiden! Altschneefelder können bis in Herbst liegen bleiben oder von Neuschnee abgelöst werden. In der Rinne oftmals noch vermehrt Schnee! Viele ABGESPECKTE Passagen, mitunter brüchiges Gestein!

TRITTSICHERHEIT, KONDITION, ALPINE ERFAHRUNG & SCHWINDELFREIHEIT unbedingt notwendig!

 

Zurück im Kaisergebirge

Mindestens 3, wenn nicht schon 4 Jahre will ich die Ellmauer Halt gehen. Verletzungsbedingt musste ich sie immer wieder schieben – bis jetzt. Irgendwann geht sich’s halt doch immer aus! Allerdings nicht wie geplant unter der Woche (der Gipfel steht bei vielen auf der Liste), sondern an einem Samstag. Nicht ganz so optimal, aber erstaunlicherweise an diesem 19. Oktober ohne viele Leute. Somit minimiert sich auch die Steinschlaggefahr etwas – die spätestens nach Verlassen den Hochgrubach-Schotterkars und dem Einstieg in den Gamsängersteig auf extrem hoch steigt. 

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Querung der Südwand, die Schrofenbänder des Gamsängersteigs sind von hier kaum erkennbar

Über Waldwege zur Gruttenhütte 1620m

Nach der Auffahrt (Ellmau, Abzweigung Kaiserbad) über die Mautstrasse bis zum Parkplatz an der Wochenbrunner Alm, führt der Weg Nr. 825 erst durch den Wald. Teilweise steil nach oben, bis die ersten Schotterrinnen gequert werden. Die Gruttenhütte wird dabei im Rücken bereits sichtbar, unter einem Ellmau – Panoramablick zum Kitzbühler Horn, den Hohen Tauern und dem Alpenhauptkamm… gewaltig schee, jez scho! An der Gruttenhütte vorbei führt der Weg dann leicht links bergauf, gerade auf die massiven Koasa-Wände zu.

Gämsen, leichte Kletterstellen und Verwunderung auf der Jägerwandtreppe

Im Hochgrubach begrüssen uns 3 Gämsen, die lassen sich aber von uns nicht beim frühstücken stören. Riesige Felsblöcke, dahinter das weite Schotterkar – vom bunten Herbst ins ewige Grau. Abgesehen von dem grossen Altschneefeld, das hier auch jetzt noch zu finden ist. Erneut stehen mehrere Gämsen im Kar vor uns, kurz vor dem Einstieg in die Schrofenbänder, die damals und auch heute von Gämsen genutzt werden. Daher der Name. Und nicht nur von ihnen – mittlerweile wurde einige exponierte, ausgesetzte Stellen mit Stahlseilen und oder Trittstiften gesichert. Es gibt aber auch ungesicherte Stellen, die frei geklettert werden müssen. Man quert nach den Einstieg die Südwand nach links hin bis zur Roten Rinn Scharte. Mehrere kleine Altschneefelder auf dem Weg – oder sind es die Reste vom letzten Schneefall Anfang Oktober? Hier befindet sich eine Abzweigung zum Kaiserschützensteig! Oberhalb wartet die Jägerwandtreppe, eine senkrechte Felswand welche mit Hilfe von 74 Stahlklammern überwunden werden muss. Erst kurz über dem Boden schraubt sie sich immer weiter nach oben und geht schließlich in einen Stahl-Steigbaum über (beides seilversichert). Sie wurde aus einem Grund errichtet: Steinschlagschutz!

Schlüsselstelle mit zwei Varianten

In leichter Kletterei, oft ungesichert, geht es immer weiter durch loses Geröll, Schotter oder Felsblöcke bergauf (viele abgespeckte Passagen) – an die roten Punkte / Markierungen sollte man sich halten, um sich nicht zu versteigen. Passiert schneller als man glaubt, da der Steigverlauf manchmal nicht logisch erscheint. Immer weiter, bis zu einem engen Spalt im Fels. Hier liegt auch jetzt noch immer und auch schon wieder Schnee! Für den weiteren Aufstieg gibt es zwei Varianten: man schlüpft durch die Rinne und kraxelt am Ende dieser über eine Stahlleiter mit leichtem Überhang ca. 2,50m hoch ans Licht. Oder: man wählt rechts den Einstieg in die sogenannte Maximilianstrasse, eine senkrechte, ausgesetzte Felswand mit Seilversicherung und Stahlstiften. Dieses exponierte Wandl wird meine Abstiegsvariante – es befinden sich zu der Zeit 3 Leute im Aufstieg drin und so wie es ausschaut, brauchen die länger…

Notbiwak Babenstuber Hütte 2305m unterhalb Ellmauer Halt

Kurz vor dem Gipfel quert man über eine kurze einfach Gehpassage, bevor es wieder bergauf geht. Wer genau schaut, entdeckt im Grau eine Holzhütte, die ganz dicht an den Fels klebt. Die Babenstuber Hütte, ein Notbiwak, ist immer offen und wurde bereits 1894  errichtet. Damals stand sie übrigens noch auf dem Gipfel, erst seit 1983 befindet sie sich unterhalb am jetzigen Standort. Das Gipfelkreuz und somit das Ziel ist von hier aus klar zu sehen und nach kurzer, versicherter Kraxelei auch erreicht. Von hinten zieht übrigens der Kaiserschützensteig herauf. Weil es oben ziemlich stürmt, wird die kleine Holzhütte zum perfekten Pausenraum mit Ausblick…

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Panorama im Absturzgelände – Blick auf die Babenstuber Hütte vom Gipfel aus

Abstieg – exponierte Panoramablicke inklusive

Für den Abstieg über die senkrechte Felswand zurück zur Rinne hält man sich leicht links – für den Weg über die Leiter rechts. Dieser Abschnitt, auch als Maximilianstrasse bekannt, ist komplett gesichert und führt nach einer kurzen Querung steil bergab. Alpines Absturz-Gelände rundum. Absolute Konzentration, jeder Schritt muss sitzen, wenn man sich nicht zusätzlich sichert. Der Rest führt wieder über den Aufstiegsweg am Gamsängersteig zurück…

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Abstieg via Maximilianstrasse, Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Danke Maggy @youareanadventurestory für die Fotos!

Tipp: einen Teil der Mautkarte bekommt man auf der Wochenbrunneralm zurück erstattet – und Kuchen, Kasbrot oder a alkoholfreies Weissbier nachm Berg geh is immer guad! Wenn ma nit scho auf der Gruttenhütte einen taktischen Erfrischungsstopp einglegt hat…

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Relax-Programm danach: im Skypool des ****Superior Hotel Das Kaiserblick in Ellmau ummi auf den Koasa schaun. Fast surreal, wenn man grad vorher noch auf der Ellmauer Halt oben war…