Von der Klausner Hütte zum Latzfonser Kreuz 2311m und weiter über den Grat des Jocherer Berg 2390m via Villanderer Almen ins Eisacktal. Die Kassianspitze 2581m bei den Schneemengen keine Option. Sechs Stunden Schneestapfen mit Dolomiten-Blick – anstrengend aber wunderschön! Im Snowvember unterwegs in Südtirol…

Eigentlich wäre das Penser Joch und die Flaggerschartenhütte 2481m Plan A gewesen. Eigentlich hat keiner mit solchen Schneemengen Anfang November gerechnet. Eigentlich wäre bei Plan B ein Gipfel (die Kassianspitze) am Programm gestanden – aber im Endeffekt bestimmt sowieso das Wetter, der Berg und auch der Bergführer. Auf Einladung von Salewa ging es 2 Tage nach Südtirol – bei bestem Wetter. Morgens eisig kalt, danach Sonne satt!

 

Tourdetails:

Start: Parkplatz Kühof Latzfons 1500m – Klausner Hütte / Refugio Chiusa 1920m (Aufstieg erst Abends, Übernachtung) – Getrumgraben – Latzfonser Kreuz / Kirche / Schutzhaus 2311m – via Sattel – Jocherer Berg 2390m – Villanderer Almen – Stöfflhütte 2057m – Gasserhütte 1756m im Eisacktal (von dort per Shuttle zurück)

Insgesamt ca. 950hm, 15km (mittelschwere Tour, gute Kondition schneebedingt erforderlich)

Achtung: Hütten im Winter geschlossen – Klausner Hütte an Wochenenden nach Weihnachten wieder geöffnet! Der Almgasthof Gasserhütte in Villanders ist durchgehend Dienstag – Sonntag offen.

Tipp: Schneeschuhe & Gamaschen von Vorteil | Tourenski (je nach Schneemengen) – keine Wegmarkierungen ersichtlich ab Latzfonser Kreuz bis zu den Villanderer Almen. Unbedingt Lawinenlagebericht vorab checken bei Tourenplanung!

Zurück in Latzfons

Unverhofft kommt oft – und so kehre ich nach 13 Monaten wieder an dieses schöne Platzal oberhalb von Klausen zurück. Nur liegt diesmal Schnee. Und zwar schon ganz ordentlich. An einem goldenen Oktobertag 2018 gings mit Tamara Lunger im Rahmen des Mountain Summit Festivals Brixen auf das Latzfonser Schutzhaus, das damals ihre Eltern bewirtschaftet haben. Den Weg vom Wanderparkplatz Kühof kenne ich – und auch die Klausner Hütte, die an diesem Abend das Ziel und gleichzeitig die Base für die Nacht sein wird. Offiziell schon geschlossen, lädt Salewa zum exklusiven Ausflug. Eine gute Stunde dauert der Aufstieg – 400hm mit 14 Kilo am Rücken. Die Sonne verschwindet langsam, der Himmel pink. Statt Stirnlampe leuchtet der Mond im Schnee…

 

Hütten-Übernachtung im Südtiroler Winter

Back to the Basics, so wie es sich gehört: nur ein dank Kachelofen beheizter Raum. Kaltes Wasser. Warmes, deftiges Essen inklusive ein paar Bier und gute Gespräche. Nebenbei werden die News für die Wintersaison 20/21 serviert. Salewa Innovationsmanager & Bergführer Egon Resch zeigt, was er für Wintertouren alles im Rucksack hat (inkl. Lawinenequipment & Pickel). Um 11 fallen mir fast die Augen zu – keine Hüttengaudi mehr. Zeit, ins Lager unters Dach zu übersiedeln. Für die Nacht muss aber zusätzlich zu meinen dicksten Merino-Baselayern eine Wärmflasche in den Schlafsack – der ist nämlich nur im Notfall für einstellige Temperaturen ausgelegt (nimmt viel Platz im Rucksack weg und ist auch nicht gerade leicht – echter Optimierungsbedarf). Da wird es Abhilfe geben (müssen)…

sdr
Morgendlicher Blick auf die Villnösser Geisler, Sella, Platt- & Langkofel,…

Sonnenaufgang mit Dolomiten-Panorama

Kurz nach 7, eisig kalte -10 Grad. Während fast alle noch schlafen, zieht’s mich raus. Es ist klar, unten im Tal ein gewaltiges Nebelmeer. Bis kurz vor halb 8 wechseln sich die Farben ab, dann geht alles ganz schnell. Hinter den Geislerspitzen blitzt die Sonne durch… da brauchts keine Worte!

 

Danach Waschen (mit eiskaltem Wasser eh eine kurze Angelegenheit), Zähne putzen, Frühstücken, Thermoskanne füllen, Rucksack packen und los! Die ersten Skitourengeher sind heute auch schon am Weg. Zwei Latten müsste man mit haben… aber unter dem Schnee ist leider sowieso nur Wiese oder Steine und noch keine Grundlage!

 

dav
Zum Schneeschaufeln ham ma leider koa Zeit ghabt…

Abmarsch! Schnee stapfend tiefer ins Winterwunderland

Erst auf breiten Wegen bis in den Getrumgraben und vor dort im tiefen Schnee stetig steil ansteigend nach oben bis zum Latzfonser Kreuz und seiner höchstgelegenen Wallfahrtskirche Europas. Der Kreuzweg war im Herbst leichter zu gehen… das stapfen im lockeren Pulverschnee ist doppelt so anstrengend. Die Gamaschen sind heute eine gute Wahl und das neuerliche Imprägnieren meiner Bergschuhe hat sicher auch nicht geschadet. Meine Füsse bleiben warm und trocken. Beim Schutzhaus (im Winter geschlossen) wird die erste Pause fällig. Heisser Tee und glitzernder Schnee – ein Panorama zum niederknien. Apropos, knietief ist der Schnee hier oben bereits. Deswegen fällt die Gipfeloption Kassianspitze auch direkt weg – nicht machbar. Und es liegt noch eine lange Strecke vor uns… Dolomiten voraus!

 

Ein Grat Sie zu knechten…

Am Latzfonser Kreuz vorbei geht es erst bergab und dann wieder steil bergauf. In Spitzkehren auf den Sattel zu – ohne Ski. Die würden diese Tour gerade wirklich vereinfachen. Links über den Grat gelangen wir zum Jocherer Berg 2390m, um von dort Richtung Villanderer Almen abzusteigen. Der Grat hat es in sich. Ich breche mehrmals in Latschen-Löcher und komme mir dank schwerem Rucksack wie ein Käfer am Rücken vor, der sich selber nicht mehr aufrichten kann. Bis zum Hintern im Schnee stecken ist nicht immer lustig. Das zehrt ganz schön am Akku. Kreuzi und auch das rechte Knie sind nach 3 Stunden dezent zwieda. Obwohl ich schon übervorsichtig stapfe, um so knieschonend wie möglich unterwegs zu sein. Zumindest werden die beiden direkt gekühlt… An der Spitze unserer Gruppe wird zum spuren übrigens immer wieder abgewechselt – anders würde es keinen Sinn machen. Danke an die fitten Herren der Truppe! Am Gipfel wartet kein Kreuz sondern nur ein grosses Stoamandl, dass vom Schnee zugeweht ist. Danach wird es vermeintlich leichter… zumindest bergab in Richtung der Almhütten. Rede ich mir zumindest ein. Das heutige Ziel ist aber noch lange nicht in Sicht!

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Der Grat zum Jocherer Berg (mittig) vom Schutzhaus aus gesehen. Rechts: Latzfonser Kreuz

Über die Villanderer Almen ins Eisacktal

Wir stapfen weiter. Immer weiter. In Richtung des Hochplateaus. Querfeldein. Nur glitzernder Schnee, Berge und sonst nichts. Über Bäche und Zäune bis zum ersten Wegweiser seit Stunden. Das komplette Almgebiet überzogen von der weissen Pracht – unberührt. Ein zugeschneiter Weg bringt uns bis zur Stofflhütte (geschlossen), von dort über einen Fahrweg (teils eisige Spurrinnen) talwärts. Es werden mehr Hütten, Zäune, Strassen – bis wir an der Gasserhütte 1756m ankommen. Ausklang mit traditionellem Törggelen – ein wunderbarer Abschluss einer gewaltigen Tour im Schnee!

 

Danke Salewa & Geschwister Zack PR für die Einladung nach Südtirol und davor zur Alpinmesse Innsbruck!

cof
Auch von den Villanderer Almen sind die Dolomiten zum Greifen nahe…