3 Kogl, 6 Seen und ein Sonnenuntergang – so schön kann die Hölle sein! Das größte Kreuz der Ostalpen steht im Salzkammergut auf dem Brunnkogel, 14m hoch und 7 Meter breit. Aufstieg über den alpinen Schafluckensteig, zur Abkühlung warten nach der Tour die Langbathseen

Gut ein Jahr lang war der Schafluckensteig gesperrt – ein mächtiger Felssturz im April 19 und die permanent hohe Steinschlaggefahr forderte die Verlegung des Zustiegs (neu via Hirschluke) zum Einstieg in die Wand. Der Ausblick beim Aufstieg aus der steil abfallenden Wand auf den hinteren Langbathsee ist gewaltig – Unaufmerksamkeiten verzeiht der Steig aber auf keinen Fall!

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Blick auf den hinteren Langbathsee, umrahmt vom Höllengebirge. Rechts Brunnkogel, der Schafluckensteig zieht sich mittig erst nach rechts, dann in die bewaldete Scharte links und wieder nach rechts Richtung Gipfel. Gut daneben erkennbar: Felssturz in Vogelform

TOURDETAILS  23.06.20

Start: Vorderer Langbathsee 664m (Parkplatz kostenfrei) – weiter zum Hinteren Langbathsee 733m – via Hirschluke zum Schafluckensteig – Brunnkogel 1708m – Mathiaskogel 1668m – Hochleckenkogel 1691m – Hochleckenhaus 1572m

Abstieg wie Aufstieg oder auf dem Steig 828 unterhalb des Brunnkogels queren, um wieder zum Schafluckensteig zu gelangen

insgesamt ca. 1900 hm & 24 km (Hin & Retour via 828, erneuter Aufstieg abends nicht eingerechnet). Nur bis Brunnkogel ca. 1050hm im Aufstieg

ACHTUNG: der Schafluckensteig ist ein schwarz markierter, teils seilversicherter Alpinsteig, KEIN KLETTERSTEIG! Schmal und ausgesetzt im Absturzgelände verlaufend, nach wie vor hohe Steinschlaggefahr. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ein Muss. Keine QUELLEN unterwegs!

Bis ins späte Frühjahr (Mai) meist nicht begehbar, bei Nässe meiden!

Weitere mögliche Varianten: Abstieg vom Hochleckenhaus via Taferlklaussee und von dort retour zum hinteren Langbathsee (Forststrasssen-Hatscher)

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Start vorderer Langbathsee (Brunnkogel als hintere Spitze erkennbar)

Die Langbathseen –  Naturschutzgebiet am Eingang des Höllengebirges

Vor gut einem Monat war ich schon einmal hier – für die Überschreitung vom vorderen zum hinteren Signalkogel (unmarkiert, teils weglos und kaum Empfang). Damals war der Schafluckensteig noch gesperrt, das gewaltige Kreuz des Brunnkogels hat mich aber direkt gepackt. Und auch die Seen lohnen den 8km langen Weg von Ebensee an diesen besonderen Ort.  Für den Weg vom vorderen zum hinteren Langbathsee wähle ich die linke Seeseite, von dort führt der neue Zustieg via Hirschluke (erst Forststrasse, dann beim Stoamandl rechts ab in den Wald) zum Einstieg in den Schafluckensteig am Fuss der Spielbergwand. Der alte Zustieg ist fast unpassierbar – enormer Baumbruch und weiter oben loses Geröll haben den Weg zerstört. Guter Orientierungspunkt zum Steig: der leicht erkennbare, helle Felssturz in Form eines Vogels – dieser liegt rechts.

Der Schafluckensteig – himmlisch in die Hölle

Ich tausche freiwillig mein Cap gegen den Helm – lieber 250g mehr am Rucksack, als ein Loch im Kopf. Kein Risiko. Man weiss leider nie, wer vor einem unterwegs ist und ob beim Gehen aufgepasst wird. Ausserdem kann sich immer was aus der Wand lösen. Weil es bereits später Nachmittag ist, habe ich Glück – keiner unterwegs. Ein allein stehender Baum markiert den Einstieg, ein Schild mahnt nochmals vor der hohen Steinschlaggefahr. Leichte Kraxelei (Ier) führt einen ersten Aufschwung nach oben, wo die Seilversicherung beginnt. In Serpentinen schlängelt sich der schmale, ausgesetzte Steig zum Teil steil nach oben – mit wunderbarem Ausblick auf den hinteren Langbathsee. Vom Fels zieht sich der Steig dann langsam nach links in eine bewaldete Scharte, vorbei am Schafalm-Unterstand und durch lichten Wald. An der Spielberg Ostwand wartet nochmal eine kurze, seilversicherte Passage, bevor es in Richtung Schafalm geht. Von dort ist das gewaltige Kreuz des Brunnkogels das erste Mal wieder sichtbar! Und auch, dass der Weg dorthin noch ein gutes Stück weit, zum Teil steil nach oben führt.

Gipfelglück im Salzkammergut – Brunnkogel 1708m

Der letzte Anstieg hat es in sich – die Sonne brennt, schrofig und geröllige Passagen wechseln sich ab. Unten noch Latschen-Sauna, oben Gesteins-Samba. Wie gross das Kreuz wirklich ist, lässt sich spätestens jetzt erahnen. Gewaltig. Genau wie die Aussicht. Der Traunstein mit dem Traunsee, der Attersee, der vordere Langbathsee und der Taferlklaussee – mei schee! Zu lange bleibe ich aber nicht, denn ich werde heute für den Sonnenuntergang nochmals wiederkommen. Deswegen mach ich mich nach kurzer Verschnaufpause direkt zu den nächsten Zielen auf. Am grasigen Grat entlang nehme ich noch das kleine Kreuz des Mathiaskogel mit, bevor ich Richtung Hochleckenkogel absteigen muss. Und natürlich geht es nach dem Abstieg direkt wieder nach oben, vorbei am Gipfelkreuz des Hochlecken, durch eine Latschengasse nach unten und weiter zum Hochleckenhaus (Eröffnet 1925). Blick auf den Mondsee, später schiebt sich der Attersee ins Blickfeld. Gute 40min Gehzeit. Warum ich mir das antue, danach nochmals aufzusteigen? Ganz einfach: Gepäck minimieren. Ich bleibe die Nacht auf der Hütte und dank Corona darf der Schlafsack (nur Hüttenschlafsack ist keine Option), Longsleeve & Shorts, Hüttenpatschen & meine Übernachtungssachen schonmal dort bleiben. Zimmer Nummer 4 (2er für mich alleine, Blick auf den Attersee inklusive). Die Info, dass ich erst gegen 22 Uhr retour komme, ist auch sinnvoll. Und: 1 Kilo weniger im Rucksack zahlt sich immer aus…

Wenn die Sonne hinter dem Attersee verglüht

Um halb 8 mach ich mich wieder auf den Weg zum Brunnkogel, Stirnlampe für den Rückweg im Rucksack. Vorausgesagter Sonnenuntergang um 21.08 Uhr… das Licht färbt sich golden. Das Gipfelkreuz strahlt. Und dann schiebt sich ein Wolkenband vor die Sonne. Wars das jetzt mit dem brennendem Himmel? Warten und hoffen, es ist erst kurz nach halb neun. Und weil ich brav zsamm gessen hab, gibts einen der schönsten Sonnenuntergänge, den ich je am Berg erleben durfte…

sdr
Das Warten mit Blick auf den Attersee zahlt sich aus…

Die Geschichte vom Brunnkogel-Kreuz  

14m hoch, 7m breit – das Stahlkreuz am Brunnkogel 1708m ist das höchste der Ostalpen.
Das erste Kreuz aus Holz wurde in den 1950er Jahren aufgestellt, 1969 aber durch einen Blitzschlag zerstört. 1970 wurde ein Kreuz mit den selben Maßen wie heute aufgestellt, brach aber im Januar 2013 unter der Last von Schnee & Eis. Seit Juni 2013 steht das jetzige Schmuckstück zum Gedenken an die Gefallenen der Weltkriege. Es zeigt die 8 Aurachtaler Berufsstände: Bauer, Holzknecht, Zimmermann, Schlosser, Schmied, Maurer, Technischer Zeichner und Arzt. Gefertigt wurde es von der HTL Vöcklabruck.

 

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Tief im Höllengebirge – heiss, ohne Quellen aber grün!
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Bergseensucht