Einmal zu Fuß vom Tegernsee nach Italien? Warum nicht! In 7 Etappen geht’s durch drei Länder, auf dieser Route wird die #Alpenüberquerung ein Genuss-Erlebnis, mit der richtigen Dosis Gemütlichkeit und grandiosen Ausblicken…

Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele, heißt es. Je stressiger und hektischer das Leben, desto mehr flüchten in die Natur. Dort konzentriert man sich nur auf Gehen, Essen, Fühlen und Sehen – alles andere ist unwichtig. Dieser Effekt macht #Mehrtageswanderungen für alle, die keine Lust auf faul am Strand liegen haben, immer gefragter. Nicht jeder will aber dabei komplett auf Komfort verzichten und das ist auch gar nicht mehr nötig -> bei der Deluxe-Version gibt’s Sternehotels statt Matratzenlagern!

Natürlich ist diese Ü (wie die Alpenüberquerung auch auf der gesamten Strecke beschildert ist) nicht so fordernd wie die Originalroute. Aber der E5 von Oberstorf nach Meran ist mittlerweile meist genauso voll wie ein Biergarten in München bei Schönwetter.

Bei dieser besonderen Alpenüberquerung wird in Gmund am Tegernsee gestartet, über den Achensee und das Zillertal nach Sterzing in Südtirol gewandert. Das über 130 km für einige erstmal extrem weit klingen mag, glaube ich gerne. Aber die Tagesetappen an sich sind alle wirklich einfach zu meistern. Kurze und lange Etappen wechseln sich dabei ab, die Wege sind leicht bis mittelschwer. Eine durchschnittlich gute Kondition sowie Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollte aber schon vorhanden sein, da man sich im alpinen Gelände bewegt. Außerdem können einzelne Streckenabschnitte auch mit dem Bus, dem Schiff oder der Seilbahn zurückgelegt werden. So läßt sich die Tour beliebig verkürzen oder verlängern. Mir persönlich ist der Slogan „earn your views“ – alles aus eigener Kraft – lieber, aber hier lohnt sich die ein oder andere „Unterstützung“, um z.B. Strecken entlang asphaltierten Strassen oder kahlen Skipisten zu überspringen!

Statt am Berg auf Hütten mehr oder weniger Schlaf zu bekommen, wird im Tal – je nach Wahl – in 4* Hotels, Gasthöfen oder Pensionen übernachtet. So ist abends auch ein Wellness-Programm mit Sauna oder Schwimmen im Pool oder See nicht ausgeschlossen. Super angenehm: das Gepäck wird bequem weitertransportiert, so muss nur ein Tagesrucksack mit der normalen Berg-Ausrüstung (Erste Hilfe Set, Wechselkleidung, Regenschutz, Sonnenschutz, Karte, Geld, Verpflegung) auf den Tagesetappen getragen werden. Meine ultimative Packliste für Tagestouren gibts HIER! 

Der Start über den Tegernseer Höhenweg ist ehrlich gesagt echt ein Spaziergang – an einer Einkehr im legendären Bräustüberl führt aber kein Weg vorbei. Die zweite Etappe von Kreuth über die Blauberge zum Achensee fordert einen bei Hitze dafür umso mehr – aber der erste Blick nach Tirol, das Rofan- und Karwendelgebirge raubt einem vor Schönheit fast den Atem. Bei der Wirtin auf der Blaubergalm gibt’s selbst gemachten Käse, Wurst und ein Klo, das sehenswert ist 😉 Gut, dass am nächsten Tag die Route gemütlich entlang des Sees verläuft, Badepausen unbedingt einplanen! Mein Geheimtipp dafür: der einsame Holzsteg ungefähr 10 Minuten nach der Gaisalm Ri Pertisau! Wer Respekt vor dem Steig hat oder nicht ganz schwindelfrei ist, fährt einfach mit dem Schiff. Genau diese Abwechslung macht die Tour so angenehm, super entspannt – die Erholung setzt spätestens jetzt ein.

Mein absoluter Höhepunkt: die Überschreitung des Alpenhauptkamms im Zillertal, obwohl das Wetter im Juni eher an Winter erinnerte. Nur Vier Grad, Wind, Regen, Schnee – aber zwischendurch blinzelte auch immer wieder mal die Sonne durch. Ich bin so froh, warme Handschuhe und auch eine Mütze dabei zu haben… Diese vorletzte Etappe startet am Schlegeisspeicher auf 1.800 Metern, der Weg führt durch den wirklich beeindruckenden Zamser Grund mit seinen wilden Wasserfälle und funkelnden Glimmer-Schiefer Steinplatten hoch aufs Pfitscher Joch – die vergletscherten Dreitausender der Zillertaler Alpen im Blick. Meine treuen Hanwag GTX lassen sich nicht mal von der Querung diverser wilden Bäche beeindrucken –  trockene Füße, geil! Das freistehende, hübsche Herzerl-Klo mit wahnsinns Aussicht auf der Lavitz-Alm (2095m) ist eine Pause wert. Auf 2248 Meter befindet sich die Grenze zu Italien, der Abstieg erfolgt mit Traum-Panorama ins südtirolerische Pfitschtal. Da macht der Hagelschauer zum Schluß schon fast Spaß, wenn man weiß, dass gleich die Sauna und a Schnapserl im Hotel warten. Auch das Weltuntergangs-Gewitter ist frisch geduscht im warmen Kuschelbademantel vom Balkon aus schön anzuschaun. Auf der letzten Etappe spaziert man auf Wiesenwegen entlang der typischen Steinkirchen und alten Bergbauernhöfen ins hübsche Sterzing, der nördlichsten Stadt Italiens (neben München).

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen – der Meinung von J.W von Goethe schließe ich mich an…

Fazit: Mehrtageswanderungen habe ich zuletzt als Kind gemacht. Egal welche Variante man wählt (mit oder ohne Gepäcktransport, Übernachtungen in Hotels oder alles selbstgeplant mit Hüttenschlafplätzen), solche Touren sind Abenteuer und ich habe ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich daran wieder Spaß haben könnte. Aber es war überraschenderweise wirklich großartig. Man lernt nie aus. Angefixt, ze fix! #neverstopexploring #outdooradventures #mountainscape

Infos zur Tour: Die Alpenüberquerung kann in Begleitung eines Bergführers, in einer Gruppe oder aber auch individuell gebucht werden. Abhängig von der Schneelage, etwa zwischen Ende Juni und Mitte Oktober, kann die Route begangen werden. Schneereste können in schattigen Abschnitten aber auch bis in den Juli hinein liegen. Und Schneeschauer unterwegs kommen auch noch im August vor… www.die-alpenüberquerung.com

Danke an Georg Pawlata (Geograph, Bergführer) für die Einladung, den TVB (Tegernsee/Achensee/Zillertal/ Sterzing) für die Unterstützung. Ein Bericht meiner Ü von Mitte Juni ist auch in der deutschen SHAPE (August 2016) nachzulesen. #thanksforyoursupport