bergseensucht Premiere: Klettern. 3 Tage lang. Perfekte Kulisse: die Steinberge im Salzburger Land (Leogang Saalfelden & Saalachtal) und im Tiroler Pillerseetal! Von der Halle in die Felswand und weiter zum Klettersteig. Zur Erholung: Canyoning in der Teufelsklamm. Da zucken nicht nur die Muskeln vor Freude…  

Leogang, da bin i wieder! Diesesmal aber nicht zum Relaxen im Puradies und erobern des Birnhorns (wie im März vorgenommen) sondern, um mich einem ganz anderen Thema zu widmen. Dem Klettern. Draussen und Drinnen. Inklusive professioneller Unterstützung. Mit Ende 30 vielleicht etwas spät – aber wann, wenn nicht jetzt? Schauplatz für meine Kletter-Premiere: die Steinberge.

Eingebettet zwischen dem Tiroler Pillerseetal in den Kitzbüheler Alpen und dem Salzburger Saalachtal – dieser Teil der nördlichen Kalkalpen wird als Steinberge bezeichnet. Deutlich gespalten durch die Loferer Steinberge im Norden und die Leoganger Steinberge im Süden. Schroffe Felsen und kahle Wände – ein Paradies für Kletterer… Anfänger wie Fortgeschrittene. Auch Profis trifft man hier!

Ziel und meine Base für die nächsten Tage ist der Salzburger Hof in Leogang, direkt an der Asitzbahn. Samt gewaltiger Kletterwand an der Hotelfassade. Einchecken, 4. Stock, Deluxe Holzleo Stoaberg-Zimmer 427 mit Ausblick – auf’s Birnhorn. Die imposanten Leoganger Steinberge zum Greifen nahe – der Blick vom Bett auf die mächtige Bergwand wird nur vom Balkon aus getoppt (Titelbild zur Story). Dort winkt auch noch das Steinerne Meer von vorne.

Hallenklettern & Bouldern in Saalfelden

Nachmittags wird’s ernst. Meine Mitkletterer: Lauri vom Bergsteiger Magazin & Claudia von Sport Aktiv sowie als Quotenmänner (auch noch mit Klettererfahrung) Veit von airfreshing.com & Jakob vom Climax Magazin. Das Felsenfest in Saalfelden ist eine der größten Kletterhallen Österreichs mit 1.700 qm Kletterfläche gesamt und ca. 200 Routen in den Schwierigkeitsgraden 3 bis 11- (1.500 qm Vorstiegsbereich, 200 qm Boulderbereich). Nach kurzer Einführung vom Chef Georg Kysela höchstpersönlich und Equipmentcheck im angrenzenden Salewa Mountainshop geht’s auch schon los. Ran an die Wand. Gestartet wird beim Bouldern – quasi zum Aufwärmen und um die Technik zu lernen (gerade Arme, Kraft aus den Beinen, nicht hochziehen sondern aus den Beinen steigen). Aber es soll ja AUFFI gehn… deswegen wird relativ schnell zum Toprope gewechselt. An die Wand mit 13 Meter Höhe. Bravo – kurzzeitig bin ich mir20170517_155826

nicht sicher, ob ich nicht doch Höhenangst hab. Zumindest drinnen. Draussen am Berg fühl ich mich in der Höhe irgendwie wohler. Wir sichern uns gegenseitig und lernen so direkt einen der wichtigsten Parts beim Klettern. Draussen wie drinnen. Erstaunlicherweise klettert es sich gar nicht so schlecht. Bevor ich so richtig drüber nachdenke, bin ich auch schon oben. Nur runterschauen ist echt nicht ohne. Oida, is des hoch – Abseilen, bitte! Es wird weitergeklettert – von null auf IV+ Routen: überrascht und stolz. Nur der Selbstsicherungsautomat ist mir suspekt. Und das reinspringen für den Ablass am Rückweg erst recht. Zum Abschluss hat sich der Georg noch ein Schmankerl überlegt: Speed Klettern. Auf der 13m Wand. Auf Zeit. 46 Sekunden. Die Jungs machen’s in der Hälfte. Geh Leck… 

Zeit für Erholung – cool im Pool und so. Aber natürlich rein zur Muskelregeneration. Schließlich steht abends noch Sundowner Klettern am Hotel an, inklusive Intensiv-Coaching von Georg & Dani Oberlechner von Mountain Mystics. Knotenkunde, Sicherheitstipps. Und die beiden haben sich natürlich auch noch was besonderes für uns einfallen lassen. Stichwort: Bondage am Bein, ist gar nicht so fein (damit die Schrittlänge eingeschränkt ist). Klettern mit verbundenen Augen oder Rucksack (statt Wampe) vorne drauf. Vertrauensübungen. A Weissbier bitte und a Massage wär a nit schlecht… Ersteres wird prompt serviert und nach Speed-Frischmaching geht’s zum Abendessen. Verdient!

Tag 2, AlpinKlettern auf der Steinplatte im Pillerseetal, Tirol

Morgens beim Sportconcierge des Salzburger Hof noch eine Brille von Adidas Sport Eyewear mitgenommen – die können kostenlos ausgeliehen werden! Ein echt sinnvoller Service, GoPro Kameras gäb’s natürlich auch. Ein Katzensprung bis nach Tirol ins Pillerseetal: in Waidring treffen wir Reini Percht von den Kitzbüheler Bergführern, ein echter Kletterprofi – was sonst! Die Steinplatte bietet mit dem Wintergarten ein wahres Kletterparadies. Nach kurzem Aufstieg im Schnee und Abstieg über einen versicherten Steig stehen wir mitten im Abenteuerspielplatz für Frischluftfreunde.

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#girlswhoclimb

Raus aus den Bergschuhen, rein in die Kletterpatschen und ran an den Fels. Komplett anderes Gefühl. Wie einfach es doch in der Halle dank schöner Griffe war… 20170518_130159jetzt heißt es selber suchen, Finger in Spalten quetschen,  Route überlegen, ausprobieren. Diese Herausforderung finde ich super – auch wenn meine Fingernägel das anders sehen. Da verabschieden sich einige. Die Finger an sich streiken auch nach einiger Zeit. Anstrengend – die Sonne brennt. Route Fix in IV- erfolgreich durchgeklettert und an den Latschen auf rund 17 Meter Höhe abgeklatscht.

Beim Panorama-Blick auf die Loferer Steinberge, die Kitzbüheler & Tuxer Alpen, die Hohen Tauern und den Wilden Kaiser vergeht die Zeit wie nix und der Magen meldet sich. Hunger!

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Ausblick vom Wintergarten auf der Steinplatte

Abstieg und auf zum späten Mittagessen. Und zwar im Gasthaus Adolani in St. Ulrich am Pillersee – Tiroler Tris, weil Knedl nachm Berg oafach des Beste san… Leichte Ermüdungserscheinungen bei allen (ausser bei Jakob von Climax – der wurde vom Männerschnupfen niedergestreckt und ist seit heute früh raus. One Man down sozusagen). Aber: es wartet zum Dessert ein ganz besonderes Vergnügen: Canyoning! In der nahen Teufelsklamm. Bei 4 Grad Wassertemperatur. Was aber nicht halb so anstrengend sein wird, wie das reinpressen in die speziellen, 3teiligen Neoprenanzüge und der verbundene Aufstieg zum Einstieg damit. Unser Guide Rob (von FunConnection) wird für uns den fliegenden Holländer machen. Im wahrsten Sinne des Wortes… Neopren bis oben zugezippt, Klettergurt an, Helm auf – los geht’s mit extrem Abseiling. Von einer windigen, alten Holzbrücke oberhalb der Klamm. Erst beim umdrehen sehe ich den Teufel, der seitlich aus einer Felsspalte winkt. Drübersteigen, Hände weg, ab ins kalte Wasser. Es gibt Sachen, die hätte ich freiwillig eher nicht gemacht. Keine Ahnung was mich noch erwartet, aber nach der ersten Aktion bin ich heiss auf den Rest. Das Rutschen in die Gumpen ist jetzt nicht so meins – aber Abseilen in den Wasserfall inkl. eiskalter Gnackwatschn, Mini-Klettersteig in der Schlucht und ganz zum Schluss die Überwindung und ein Sprung ins Nichts. FETT!!! Adrenalin pumpt durch den Körper, die ganze Truppe aufgekratzt von der Action. Die Zeit: total übersehen. Raus aus dem Neo dauert fast so lang wie rein, darauf a Zirbn Schnapserl und ab zur rasante Rückfahrt. Im Hotel werden weitere Speed-Rekorde aufgestellt: Duschen, Haare waschen, Aftersun für die aufbrennten Schultern, umziehen & a bissl Farbe ins Gsicht – 15 Minuten. Der nächste Höhepunkt wartet hoch über Leogang.

Dinner im Priesteregg

Das Bergdorf Priesteregg auf 1100 m – bekannt für seine Luxus Chalets und die kulinarischen Spezialitäten auf Huwi’s Alm. Genauer gesagt, für ein ganz besonderes Gericht: das Hut essen. Ein Mischung aus Fondue und Grill. Natürlich mit feinstem, regionalen Produkten – das richtige nach deinem Tag wie diesem! Das Rindfleisch von der eigenen Galloway-Herde: Hammer! Trotz Müdigkeit siegt die Neugier, denn Renate, die sympathische Chefin des Hauses, zeigt uns noch eins der exklusiven Chalets… dazu gäbe es noch so viel zu erzählen, würde aber den Rahmen sprengen. Dieses spezielle Kraftplatzerl, das Renate und Huwi hier geschaffen haben, muss ich mir noch mal in Ruhe anschaun!

Tag 3, Klettersteig in Weißbach bei Lofer im Salzburger Saalachtal

Muskelkater und blaue Flecken am Morgen… ich schau aus, als wär ich abgestürzt. Ist aber wurscht, weil heute am Klettersteig kommt sicher noch was dazu. Als Abschluss wartet die „Weisse Gams“, die neben der „Wilden Gams“ (Schwierigkeit E/F) und der Anfängertauglichen „Zahmen Gams“ (A/B – im Moment geschlossen) die Herzen der Via Ferrata-Fans höherschlagen lässt. Dany und Georg begleiten uns. Nach einer Einführung ins Klettersteig gehen, Karabiner Technik und das Sichten der Route geht’s los. Klettersteigset dran, Helm auf, Handschuhe an. Mit Schwierigkeitsgrad D ist die Weisse Gams ganz schön bissig. Und zwar fast vom Start weg (finde ich) – da wartet bereits die erste senkrechte Passage nach oben. Auf was hab ich mich da eingelassen… Vielleicht sind auch die Kraftreserven am schrumpfen. Bei einigen Stellen pumpe ich wie ein Maikäfer. Aber der Ehrgeiz ist stärker und so wird bis oben hin durchgezogen. Einen Notausstieg gibt es ohnehin nicht. Schöne Platten, längere Quergänge, aber auch eine steile und leicht überhängende Passage wartet. Manche Stellen haben es echt in sich. Zum Glück kann ich mich zwischendrin kurz einhaken um zu verschnaufen. Und zu überlegen, wie der Abschnitt zu meistern ist. Mental und Muskulär anstrengend. Manches kostet Überwindung, anderes geht wie von alleine. Das Glücksgefühl beim Ausstieg: unschlagbar. Vielleicht bin ich auch nur extrem froh, dass ich oben bin. Vielleicht auch nicht. Danke nochmal an Georg für den Support und Veith für die Tipps zwischendrin. Teamleistung: 1a. Es gibt sie übrigens wirklich, die Weisse Gams… man muss sich nur zu ihr vorkämpfen… 

Tipp: für die kleine oder größere Stärkung danach im „Oafach Guat“ vorbeischaun – die geräucherte Forelle und das alkoholfreie Spezial-Bier einer kleinen Salzburger Bio-Brauerei haben mich gerettet! Denn: es geht direkt weiter. Eine ganz schöne Strecke liegt vor mir: von den Steinbergen an den Gardasee… Warum? Bald, hier auf BERGSEENSUCHT.COM 😉

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Gruppenbild mit Bergführer: Happy Faces mit dicken Grinsern nach dem Felsklettern im Wintergarten auf der Steinplatte. Nur der Reini streikt a bissal… 😉

Vielen lieben Dank an Irene Walser für die Planung inklusive der großartigen Betreuung und natürlich an die TVB Saalfelden Leogang, Salzburger Saalachtal und Pillerseetal für die nette Einladung zum Klettern in die Steinberge! #thanksforhavingme

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Kletter-Fazit: Mit Bouldern werde ich mich nicht anfreunden, zum Klettern in die Halle wohl eher auch nur als Schlechtwetterprogramm. Draussen bin ich dabei und angefixt. Und weil ich ja oft alleine unterwegs bin, fällt das alpine Klettern somit eher raus. Canyoning war ein echtes Erlebnis aber der eindeutige Favorit ist der Klettersteig. Generell ist es schön zu sehen, wie schnell man mit professioneller Hilfe Fortschritte macht – unabhängig vom Alter und der körperlichen Konstitution! 

STOABERG-Kletter-FACTS:

Mehr als 1000 Sportkletterrouten

12 Klettersteige

5 Bouldergebiete

6 Hochseil- und Niederseilgärten

5 Kletterhallen

Mit dem PINZGAWURM findet sich auch die längste alpine Sportkletterei der Alpen. 45 Seillängen zählt die Route!

Kostenlose Kletter- und Klettersteig-Camps im Juni und September, veranstaltet von SAAC (mehr Infos & Anmeldung HIER)