Am Neujahrstag auf den Sarstoa – des geht fix nit. Doch wenn der Schnee zu dieser Zeit noch auf sich warten lässt, ist es doch möglich. Unverhofftes Bergerlebnis, wunderschöner Sonnenuntergang – eine schwere Wintertour, die nicht nur Kondition sondern alpine Erfahrung fordert (1280hm auf 4,4km)

Lange hab i überlegt, ob ich meine Wintertour auf den Sarstein vom 1.1.2021 hier drin aufnehme. Denn: im Winter ist eine Begehung nur bei ganz bestimmten Voraussetzungen möglich. Keine oder geringe Lawinenwarnstufe, passende Schneelage und optimales, stabiles Wetter. Manchmal gibt es sie aber, genau diese Tage. Und deswegen teile ich meine Erfahrungen – spät aber doch…

Unterhalb der vorderen Sarsteinalm, der Hallstättersee nur ein dunkler Fleck

TOURDETAILS       01.01.2021 

Aufstieg via Pötschenkehre 1, 695m (Weg Nr. 690) – vordere Sarsteinalm 1695m – Sarstein Gipfel 1975m via Weg 692 (Abstieg wie Aufstieg). 1280hm auf 4.4km im Aufstieg

Sehr gute Orientierung und Ortskenntnis ab vorderer Sarsteinalm notwendig, da schneebedingt kaum bis keine Wegweiser ersichtlich. Mindestens einmal im Sommer sollte man schon oben gewesen sein.

Komplette Winter-Ausrüstung inkl Stirnlampe obligat (Stöcke, Grödel – vereiste Stellen möglich, je nach Schneelage LVS-Ausrüstung, evtl Schneeschuhe von Vorteil & Gamaschen wer keine vernünftige Shell hat)

Vorab unbedingt Lawinenlagebericht checken!

Achtung: Keine einfache Winterwanderung, sondern eine alpine Wintertour.

Vom Aufstieg via Pötschenhöhe (Weg Nr. 692) kann ich nur warnen und abraten – hohe Lawinengefahr, exponiertes Gelände!

Genaue Wegbeschreibung im Beitrag vom Sommer Hoher Sarstein 1975m | Überquerung

EIGENVERANTWORTUNG, GEWISSENHAFTE TOURENPLANUNG & AUSRÜSTUNG sowie GUTE SELBSTEINSCHÄTZUNG tragen ZUR EIGENEN SICHERHEIT bei!

Auffi aufn Sarstein – im Winter

Der erste Tag des neuen Jahres verdient einen schönen Anfang. Und weil der Gedanke einer Winterbegehung schon seit Wochen präsent ist, mache ich Nägel mit Köpfen. Beziehungsweise gebe ich der Tour eine Chance. Denn was mich genau erwartet, kann ich aus Sichtweite von daheim nicht abschätzen. Ja, es liegt Schnee. Aber sichtlich erst ab gut 1200m. Oben sicher mehr, unten eher mau. Das Wetter sollte laut Prognose mitspielen – bewölkt mit sonnigen Fenstern. Der Parkplatz: überraschend leer (mit meinem Auto sinds genau 2). Perfekt! Wie weit ich komme – geht sich der Gipfel aus? Alles kann, nichts muss – und genau diese Herangehensweise sollte grundsätzlich verinnerlicht werden. Einfach den Tag draussen und am Berg geniessen, egal ob die Sarsteinalm der Endpunkt ist oder es noch ein Stück weiter geht. Während viele sich trotz Schneemangel auf Skitour begeben und ihr Material ruinieren, bin i der Meinung: alles hat seine Zeit. Und wenn koa oder kaum Schnee liegt, dann geh i zu Fuss aufn Berg – fertig!

Vom Herbst in den Schnee

Zwischendrin könnte man fast meinen, der Winter ist noch nicht im Wald angekommen. Nur direkt nach dem Parkplatz (weil Schattenloch) ist es vereinzelt eisig und es liegt Schnee. Ab gut 1000m liegt kaum mehr was, der Steig im Wald trocken. Erst ab 1200m wird’s wieder weiss und zwar durchgängig (hier begegnet mir derjenige, der gewaltige Spurarbeit zum Gipfel geleistet hat). Zum stapfen fange ich ab 1700m an. Es ist von enormen Vorteil, wenn man den Weg vom Sommer her kennt. Ausser dem ersten Wegweiser nach der Sarsteinalm ist nichts mehr ersichtlich weil zugeschneit oder zugeblasen. Am Plateau wars dann wieder fast komplett abgeblasen, Triebschnee nur vereinzelt vorm Gipfel. Und jetzt genug gelesen – es darf geschaut werden…

Blick nach Goisern, rechts die vordere Sarsteinalm (Schneelage am 1.1.2021 gut erkennbar)

Von Gipfelglück und spätem Sonnengruss

Die Aus- und Tiefblicke ins Salzkammergut vom Gipfel des Hohen Sarstein auf 1975m sind legendär. Höllengebirge, Totes Gebirge, Ausseerland, Dachstein, Gosaukamm, ins Tennengebirge im Salzburger Land,… Oben verläuft übrigens die Grenze zum steirischen Salzkammergut, dem Ausseerland (Steiermark). Es ist kalt, der Wind frischt auf – meine Jausenpause begrenzt sich deswegen auf 2 Becher heissen Ingwertee und a Semmal. Die Sonne zeigt sich nicht bzw kaum. Deswegen lieber an den Abstieg denken – immerhin muss ich die 1280hm auch wieder retour, meine Knie freuen sich. Nicht. Dass es sich mehr als lohnen sollte, zur rechten Zeit auf der vorderen Sarsteinalm zu sein – ein echtes Geschenk. Glitzernder Pulverschnee, Wintersonnenuntergangs-Himmel. Da brauchts keine Extra-Erklärung, a Stimmung zum niederknien. Das letzte Licht…

Pfiati Sunn!

Tiere und eine Spurensuche – kleiner Denkanstoss

A wenn ma’s vielleicht nit direkt siagt – unterwegs sans trotzdem. Die Abdrücke von Reh, Schneehas- od Hendl kreuzen links und rechts den Aufstieg. Hab ma Zeit gnommen und bewusst hingschaut. Und deswegen a den Sonnenuntergang nit auf der Sarstoaalm komplett angschaut, sondern im Abstieg mitgnommen. Damit de Tiere, wenns dumper wird, zur Ruhe kommen kinnan. Besonders jez im Winter – a wenn es koa ausgewiesenes Ruhe- od Schutzgebiet is. Und i mit Einbruch der Dunkelheit ausm Wald draussen bin.
Egal wo. Egal ob zu Fuss, mit Schneeschuhen od auf Skitour. So sag i Danke, nimm Rücksicht und zoag Respekt – a kloaner Denkanstoss meinerseits…

Dankbar fia solche Momente
Wer mit Demut am Berg unterwegs ist, wird belohnt. Da bin i mir sicher… und die Tour hat mir des wieder mal bewiesen. Na, schöner hätte des Jahr 2021 nit starten können!